SKULPTURENPARK MöWa - A better place - von Arthur Kunz



Auf einem Auge blind

Mister B. saß nachmittags im Vorhof des Wohntraktes in der gleißenden Sonne, als wir uns begegneten. Seine entspannte Haltung und sein legeres Sommerkleid erinnerten mich an Besucher von Beach-Clubs, die, nachdem sie an der Bar den erfrischenden „Swimmingpool“ bestellt haben, sich in die Liege unter einen Sonnenschirm legen, die Aussicht aufs offene Meer genießen. Braungebrannt, mit verspiegelter Sonnenbrille und einen Borsalino auf dem kahlen Kopf, der ihm einen Schatten ins Gesicht warf, hörte er belebt eine volkstümlichen Melodie (griechischer Wein), welche vom benachbarten Fußballplatz zu ihm herüber wehte. Ich schaute gegen die Sonne, in die Richtung, aus der die Klänge kamen, blinzelte, wendete mich ab, suchte meine orangene Sonnenbrille und sagte ihm, dass ich schlecht sehe, fast blind auf einem Auge. Da schaute er zu mir hoch, und eine Antwort aus Heiterkeit formte sich in seinem Mund: „Sage es nicht meiner Frau“, flüsterte er, als sei das Geheimnis selbst ein Fluch, „aber ich war auch mal blind auf einem Auge.“ Dann brach ein Lachen aus ihm hervor, laut und kratzig, als käme es aus der Tiefe eines fremden Meeres. „Das war 84 oder 85“, sagte er, sein Grinsen wie ein zu tief gegrabener Schatten, „in Biarritz, am Strand. Ein Abschnitt für die Nackten. Viele lagen da, wie Treibholz! Wir auch, wir ließen uns darauf ein, das nackte Spiel. Neben mir, auf dem Sand, eine mädchenhafte Gestalt; ein Leib wie Sonne in Haut gegossen, schimmernd im Ölgold der Zeit. Sie richtete sich auf, kam auf mich zu. Und da, in diesem Augenblick, als die Welt für einen Herzschlag blind wurde, erkannte ich: Es war kein Weib, das dort aus den Schatten stieg, sondern ein Mann mit Haaren wie Seegras im Wind.“ Die Luft, die uns umgab, duftete nun salzig und schien schwer von dem, was er nicht sagte.


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