Die Jugend
Frau K. hatte eine Tochter, deren Schönheit mich bei meinem ersten Eintritt in ihr Zimmer sofort traf, ein unübersehbarer Moment, denn die Zimmerwände und der schwere, dunkelbraune Holztisch, überzogen mit einer schwarz-violetten Häkeldecke, waren voller Familienfotos. Einige dieser Bilder standen wie stumme Zeugen der Zeit auf dem Tisch, ein Hauch von Vergangenheit, eingefangen im stillen Rahmen.
Ich war mir ziemlich sicher, dass sie sogar zwei Töchter hatte, beide von seltener Anmut, aber eine von ihnen – und das erkannte ich ohne Zweifel – war in besonderer Weise entzückend. Auf einem der Fotos sah ich sie, jung, im Garten stehend, von der Seite aufgenommen. Es war ein Bild, das auf eine seltsame, beinahe schmerzhafte Weise den Blick in die Ferne lenkte, genau wie ihre sanft-traurigen braunen Augen, die dort aus dem Rahmen heraus in etwas Unbestimmtes, Unerreichbares blickten. Der leicht gescheitelte Pony aus dunkelbraunem Haar, der in einen Pferdeschwanz überging, schien nur einen Moment festzuhalten, der flüchtig und zugleich ewig war. Ihre Lippen, süß und noch unberührt von den Jahren, formten einen kleinen, lieblichen Mund, während ihre Wangen, leicht geschwungen, in zartem Rosa schimmerten – die Art von frischer Haut, die nur die Jugend zum Strahlen bringt, bevor sie schließlich im Vergehen verharrt.
Doch diese Augen – jene braunen Augen, die einst so voller Versprechen in die Weite gerichtet gewesen waren – erblickte ich eines Tages leibhaftig vor mir. Es war ein seltsamer Augenblick, als ich in Frau K.s Wohnzimmer erwachte, halb auf der giftgrünen Couch liegend, eingedöst vom sanften, aber unaufhörlichen Erzählen der Mutter, die mir, in ewig andauernden Monologen, jedes Detail ihrer Familie zu schildern versuchte. Da stand sie, die Tochter, die ich einst in dem Bild betrachtet hatte. Aber nun schien alles verändert, alles schwerer geworden, als ob die Zeit selbst die zarte Form in etwas anderes verwandelt hätte. Diese Frau vor mir, mit denselben Augen, die nun den Glanz von hundert Jahren zu tragen schienen, erwischte mich in einem Moment der Stille. Sie hatte mich ertappt, schlafend und verloren in der Weite von Frau K.s Geschichten, und in diesem Augenblick erkannte ich etwas, das mir zuvor entglitten war: Es war nicht die junge Frau, die mich in ihren Bann gezogen hatte, sondern die Jugend selbst. Sie war es, die in diesen Bildern gefangen lag, in ihren sanften Zügen und in der Leichtigkeit ihres Wesens – die Jugend, die mir in diesem Raum fremder und ferner erschien, je länger ich dort verweilte.
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